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Heimnetzwerk 10 Tipps zum Kauf von Netzwerk-Festplatten

Netzwerk-Festplatten sind das zentrale Medienarchiv im Heimnetz und versorgen Fernseher, Player und Receiver mit Videos, Musik und Fotos. Wir geben Ihnen zehn Tipps, was Sie beim Kauf beachten müssen.
Synology DS211j © Hersteller/Archiv (Symbolbild)
Synology DS211j

Kaum ein modernes Unterhaltungselektronik-Produkt verzichtet heute auf einen Netzwerk-Anschluss, um Medieninhalte zu streamen. Doch vielen Nutzern entgehen wichtige Funktionen, da sie auf einen ungeeigneten Medienlieferanten setzen. Alle Annehmlichkeiten bieten spezialisierte Netzwerk-Festplatten, auch Network Attached Storage (NAS) genannt (auf Deutsch: ans Netzwerk angebundene Speicher).

Auf diese zehn Punkte sollten Sie achten, damit Sie sich für die richtige Netzwerk-Festplatte entscheiden.

Netzwerk-Festplatten Kauftipps

Tipp 1: Genügend Speicherplatz

Schätzen Sie Ihren Platzbedarf ab! Wollen Sie hauptsächlich Fotos und Musik ablegen, oder auch große Videodateien? Im Zweifelsfall lieber etwas mehr für die Zukunftssicherheit.

Tipp 1: Genügend Speicherplatz

Die Frage nach der Menge des Speicherplatzes müssen Sie selbst beantworten. Die Antwort hängt stark davon ab, welche Daten Sie speichern möchten. Eine unkomprimierte Film-Blu-ray benötigt bis zu 50 Gigabyte Speicher, ein Foto oder eine Musik-MP3 dagegen nur wenige Megabyte. Aber auch wenn Sie hauptsächlich Fotos und Musik ablegen wollen, sollten Sie mindestens ein Terabyte (1.000 Gigabyte) einplanen.

Tipp 2: Datensicherheit

Das Thema Sicherheit sollten Sie bei der Speicherplatz-Entscheidung immer im Hinterkopf behalten. Denn irgendwann geht auch die beste Festplatte kaputt. Legen Sie wichtige Daten auf dem NAS-System ab, sollten sie deshalb zusätzlich gesichert werden, am besten durch eine zusätzliche Festplatte. Daher bieten viele NAS Platz für zwei und mehr Platten.

Besitzt Ihr System zwei Einschübe, lassen sich die Daten von der ersten auf die zweite Festplatte spiegeln. Diese Konfiguration nennt sich RAID 1. RAID steht für "Redundant Array of Independent Disks", also die redundante Anordnung unabhängiger Festplatten. Geht also eine Festplatte kaputt, sind die Daten auf der anderen noch vorhanden. Nutzt man dagegen RAID 0, erhöhen sich die Lese- und Schreibgeschwindigkeiten auf die beiden Festplatten und es steht der doppelte Speicherplatz zur Verfügung. Geht jedoch eine Platte kaputt, sind oft beide Platten unbrauchbar und alle Daten weg.

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Einige Hersteller bieten NAS-Systeme mit oder ohne eingebauten Festplatten an. Der Kauf inklusive Festplatten vereinfacht zum einen die Installation. Außerdem kann der Hersteller darauf achten, dass keine Festplatten derselben Produktions-Charge verwendet werden. Denn nicht selten kommt es vor, dass Festplatten, die kurz nacheinander produziert wurden, auch kurz nacheinander defekt sind. Nachteilig ist dagegen, dass der Preis unter Umständen höher ist im Vergleich zum Einzelkauf.

Wollen Sie Ihre NAS selbst bestücken, bietet jeder Hersteller eine Liste mit kompatiblen Festplatten an. Wenn möglich, achten Sie auch hier darauf, dass Sie keine Festplatten aus derselben Produktion verwenden. Bei den verwendeten Festplatten müssen es nicht unbedingt die schnellsten mit 7.200 Umdrehungen pro Minute sein, langsamere und sparsamere Speicher genügen auch.

Doch allen erwähnten Sicherheitsmaßnahmen zum Trotz: Kommt es zu einem Brand in der Wohnung oder wird das NAS-System gestohlen, sind die Daten trotzdem weg. Dagegen hilft nur, sich ein weiteres für die Zweitsicherung zuzulegen und es an einem anderen Ort aufzustellen. Oder man sichert die Daten zusätzlich online.

Tipp 3: Der passende Medien-Server

Steht die Netzwerk-Festplatte schließlich zu Hause und sind Filme darauf archiviert, sollen sie natürlich auch auf dem Fernseher erstrahlen. Dabei hilft der UPnP-bzw. DLNA-Standard, den viele aktuelle Fernseher, Player und Receiver unterstützen, um Medien über das Heimnetz zu streamen. Der UPnP-Server für die eben erwähnten Clients ist das NAS-System. Er bereitet Videos, Fotos und Musik für netzwerkfähige TVs oder Player auf. Das heißt, er durchsucht den NAS-Speicher und bietet die Inhalte sortiert, etwa nach Videos, Musik und Fotos, an.

Auch herkömmliche Computer können als Netzwerk- Festplatte dienen, denn bereits der Windows Media Player 12 fungiert als UPnP-Server. Für mehr Funktionen sollten Sie zusätzliche Software installieren wie etwa den TwonkyServer (www.twonky.com). © Josef Bleier, Stefan Rudnick, Hersteller, Archiv
Auch herkömmliche Computer können als Netzwerk- Festplatte dienen, denn bereits der Windows Media Player 12 fungiert als UPnP-Server. Für mehr Funktionen sollten Sie zusätzliche Software installieren wie etwa den TwonkyServer (www.twonky.com).

Vor allem bei Musik ist eine weitreichende Aufbereitung entscheidend. Schließlich will man sich nicht durch einzelne Ordner hangeln oder gar eine Liste mit allen Songs durchforsten, um ein Stück zu finden. Deshalb sortieren viele Server Musik nach Interpret, Album und Genre. Aber auch für Videos und Fotos ist eine Darstellung nach Datum oder Kamera hilfreich.

Viele Server geben dabei vor, nach welchen Kriterien sie Medien sortieren. Praktisch ist jedoch, wenn der Nutzer sie selbst festlegen kann oder entscheiden darf, in welchen Ordnern sich Videos, Fotos und Musik befinden. 

Jede Netzwerk-Festplatte muss bei der Sortierung entscheiden, welches Medienformat sie unter Videos, Musik oder Fotos anbietet, damit ein DivX-Film etwa nicht unter den Fotos erscheint. Es kann allerdings passieren, dass der Server mit einer Datei nichts anzufangen weiß. So erkennen etwa viele NAS-Systeme keine ISO-Dateien (etwa Abbilder von Blu-rays oder DVDs) und bieten sie deshalb UPnP-Clients nicht als Video an.

Einige Produkte setzen jedoch nicht auf den Hersteller übergreifenden UPnP-Standard, sondern auf eigene Lösungen. Apple etwa: Damit sich der Netzwerk-Player Apple TV bei einem NAS bedienen kann, muss ein iTunes-Server installiert sein. Auch Logitech setzt mit seinen Musik-Streaming-Produkten der Squeezebox-Reihe auf einen eigenen Standard, den einige Netzwerk-Festplatten unterstützen. 

Tipp 4: Fernzugriff

Viele wollen nicht nur zu Hause, sondern auch unterwegs über ihre Daten verfügen. Auch das ermöglichen einige NAS-Systeme. Wird die Netzwerk-Festplatte angezapft, darf man jedoch keine Geschwindigkeitsrekorde erwarten.

Bei einem gewöhnlichen DSL-16.000-Anschluss beträgt die Geschwindigkeit, mit der NAS Daten nach draußen schicken, maximal 1 MBit/s. Das Streamen von Filmen mit guter Bildqualität ist so nicht möglich. Der Zugriff erfolgt dabei über den Internet-Browser oder der Hersteller bietet eine eigens entwickelte App für Smartphones und Tablet-PCs an.

Tipp 5: Backup vom Computer 

Doch wie gelangen Daten überhaupt auf die Netzwerk-Festplatte? Am einfachsten lassen sie sich über den Datei-Explorer am Computer übertragen. Es geht allerdings auch automatisch. Dafür packen die Hersteller mitunter Backup-Software für den PC bei. Damit kann der Anwender festlegen, wann und in welchen Abständen eine Sicherung aller oder der neu hinzugekommenen Daten angelegt werden soll. Für Mac-Besitzer ist wichtig, dass die Datensicherungs-Software Time Machine vom NAS-System unterstützt wird.

Tipp 6: Die richtigen Schnittstellen

Es ist nicht zwangsläufig ein Computer erforderlich, um Inhalte auf einem NAS zu sichern. Viele Produkte besitzen Schnittstellen für das Übertragen von Daten: einen USB- oder eSATA-Anschluss, um Festplatten zu verbinden, einen SD-Slot für Fotospeicherkarten oder gar ein optisches Laufwerk, um Daten auf dem NAS zu speichern oder Dateien auf einer Blu-ray oder DVD auszulagern. 

Tipp 7: Zusatzaufgaben

NAS-Systeme beherrschen noch weitaus mehr. Das beginnt bei einer Benutzerverwaltung, um Personen Schreib- und Leserechte auf der Netzwerk-Festplatte zu gewähren oder ihnen eigenen Speicherplatz zuzuweisen.

Selbst einige WLAN-Router können Medien als UPnP-Server im Netzwerk bereitstellen, wie etwa die AVM FRITZ!Box 7390. Dafür kann der Nutzer eine USB-Festplatte mit dem Router verbinden. Leistungs- und Funktionsumfang sind jedoch eingeschränkt. © Josef Bleier, Stefan Rudnick, Hersteller, Archiv
Selbst einige WLAN-Router können Medien als UPnP-Server im Netzwerk bereitstellen, wie etwa die AVM FRITZ!Box 7390. Dafür kann der Nutzer eine USB-Festplatte mit dem Router verbinden. Leistungs- und Funktionsumfang sind jedoch eingeschränkt.

Viele Geräte lassen sich außerdem als vollwertige Web-Server nutzen. Andere agieren sogar als Server für ein E-Mail-Konto, wieder andere integrieren einen BitTorrent-Client, um Daten aus dem Internet zu laden. Zum Teil kann der Nutzer selbst entscheiden, welche zusätzlichen Programme (Addons) er auf der Netzwerk-Festplatte installieren will.

Tipp 8: Ausreichend Leistung

Um all diese Aufgaben zu erledigen, ist genügend Rechenpower notwendig. Einsteigersysteme kommen oft mit ARM-Prozessoren aus, für mehr Leistung setzen andere auf Intel-Atom-CPUs, wie sie etwa auch in Netbooks zum Einsatz kommen.

Die Prozessorleistung macht sich zuerst bei den Schreib- und Lesegeschwindigkeiten bemerkbar. Wenn es darum geht, Dutzende Gigabyte an Musik zu durchforsten, um sie im Netzwerk als UPnP-Server bereitzustellen, verkürzt ein starker Prozessor die Dauer erheblich.

Tipp 9: Geräuschentwicklung

Doch ein starker Prozessor hat auch seine Nachteile: Er erzeugt beispielsweise viel Wärme, die abgeführt werden muss, damit das NAS-System nicht überhitzt. Oft hilft dabei nur ein Lüfter, der im schlimmsten Fall störende Geräusche im Wohnzimmer von sich gibt. Vorsicht ist auch bei vermeintlich leisen Lüftern geboten: Durch Schmutz wie etwa Staub kann sich ein ruhiger Lüfter mit den Jahren zu einem Quälgeist entwickeln.

Tipp 10: Stromverbrauch

Ein weiteres Problem, das bei starken Rechnern auftritt, ist ein erhöhter Energiebedarf. Und der ist oft auch dann vorhanden, wenn man das NAS gerade nicht braucht. Um Strom zu sparen, lassen sich jedoch alle Netzwerk-Festplatten steuern, damit sie sich zu bestimmten Zeiten ein- und ausschalten.

Ausgeschaltet muss jedoch nicht bedeuten, dass die Netzwerk-Festplatte nicht angesprochen werden kann. Unterstützt sie die Funktion Wake on LAN (WOL), kann ein Player oder ein Smartphone ein sogenanntes Magic Packet über das Heimnetz senden, das sie aufweckt.

 
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