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Messe Neuheiten und Trends der CES 2012

3.100 Aussteller und 153.000 Fachbesucher, davon 34.000 aus dem Ausland: Mit dieser positiven Bilanz ging die laut Veranstalter erfolgreichste Consumer Electronics Show (CES) aller Zeiten zu Ende. Mehr als 20.000 neue Produkte wurden im Las Vegas Convention Center vorgestellt.

Neuheiten und Trends der CES 2012
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© CEA, Andreas Stumptner

Vegas, immer wieder Vegas: Jedes Jahr im Januar, wenn die Big Player der Branche auf der Consumer Electronics Show (CES) die Trends für die nächsten zwölf Monate vorstellen, lockt die Spielerstadt wieder Hunderttausende Fachbesucher aus aller Welt an.

In dieser Zeit kehrt die Welthauptstadt der Unterhaltung zu ihrem alten Glanz der 80er- und 90er-Jahre zurück: Die ca. 150.000 Hotelbetten der zahllosen Themenhotels und Edel-Resorts (Venetian, Luxor, Bellagio, Wynn, Trump etc.) entlang des Las Vegas Boulevard sind ausgebucht.

Die Kasinos sind voll, ebenso viele Showtheater (wo etwa Cirque du Soleil und Céline Dion gastieren) und Top-Restaurants. Die Warteschlangen an den Taxiständen sind genauso lang wie die Verkehrsstaus auf dem "Strip", der berühmten Hauptschlagader von "Sin City".

Dabei hat Las Vegas seit Beginn der Finanzkrise 2007/2008, die insbesondere auch die USA gebeutelt hat, schwer gelitten. Manche der neuen, wie immer gigantisch geplanten Bauprojekte wurden nur noch eingeschränkt oder gar nicht mehr fertiggestellt.

Einige Bauruinen verschlimmbessern heute gar das Stadtbild als ewiges Zeichen der wirtschaftlichen Baisse. Und ohne große Business-Events wie die CES ist die Stadt mausetot, wie einem viele Taxifahrer schwermütig verraten.

Dennoch: Das Zocker-Eldorado ist und bleibt auch in schwierigen Zeiten für jeden Besucher ein Erlebnis. Für die Vegas-Fans, die zum Teil schon seit vielen Jahren den Verlockungen dieses überdimensionalen Freizeitparks erliegen, aber auch für all diejenigen, die das unübersehbare und überwältigende Pulsieren einer Millionenstadt mitten in der Wüste von Nevada verabscheuen. Und nicht zuletzt für diejenigen, die sich ausschließlich auf die Technikschau CES konzentrieren wollen.

Schärferes Bild, kräftige Farben

Auf dem Messegelände im Las Vegas Convention Center (LVCC) standen in diesem Jahr neben neuen Generationen von Smartphones und Tablet-PCs sowie der ganz neuen Notebook-Kategorie der flachen und leistungsstarken Ultrabooks in diesem Jahr vor allem Fernseher mit neuen Bildtechnologien und verbesserter Funktionalität im Mittelpunkt des Geschehens.

Eines der Messe-Highlights waren ohne Zweifel die ersten OLED-Fernseher mit satten 55 Zoll Bilddiagonale, die bei LG und Samsung zu bestaunen waren. An den Messeständen beider Unternehmen herrschte durchgehend großes Gedränge rund um die aufwendigen Installationen der edlen, hauchdünnen Design-Screens.

Jeder Messebesucher wollte unbedingt ein Foto der TV-Flundern ergattern, die mithilfe organischer Leuchtdioden noch kräftigere Farben, ein noch tieferes Schwarz und damit noch bessere Bildqualität liefern sollen. Dank einer 1.000-mal höheren Geschwindigkeit als bei LED/LCD-Displays versprechen die Hersteller für ihre OLED-TVs eine gestochen scharfe Wiedergabe von Bewegungen ohne Unschärfe oder Bleeding-Effekte.

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Las Vegas, das Spieler-Eldorado in der Wüste von Nevada, ist eigentlich alles, nur keine Business-Stadt. Aber sie ist mit ihren Shows, Casinos, Top-Restaurants und Megahotels
der weltweit größte Freizeitpark für Erwachsene. Seit Beginn der Finanzkrise steckt jedoch auch Las Vegas in einer solchen. Doch zur CES, wenn 150.000 Übernachtungsgäste einfliegen, findet „Sin City“ für eine Woche wieder zu ihrem alten Glanz zurück.

Leicht und dünn

Zu guter Letzt überzeugten die neuen High-End-Fernseher durch ihr Äußeres. Zwar gab es auf der Messe noch kein finales Design zu sehen. Doch Samsungs Modell sorgte mit 55 Zoll Bildschirmdiagonale, nur 12 Kilogramm Gewicht und lediglich 7,6 Millimetern Tiefe ebenso für großes Staunen wie LGs 55-Zoll-OLED-Modell, das laut Hersteller sogar nur 7,5 Kilogramm auf die Waage bringt und mit nur vier Millimetern Tiefe begeistert.

Mehr als Prototypen gab es allerdings in Las Vegas nicht zu sehen. Im deutschen Elektrohandel sind die OLED-Geräte frühestens im Herbst zu erwarten, voraussichtlich im Zeitraum der Berliner IFA Anfang September. LG spricht vom dritten Quartal. Auch über die Preise wird noch fleißig spekuliert. Sie dürften aber auf jeden Fall im hohen vierstelligen Bereich liegen.

Besser als 3D?

Doch nicht nur bei den Koreanern, auch bei den Kollegen aus dem von Fukushima gebeutelten Nachbarland Japan genießt die Verbesserung der Bildqualität höchste Priorität. Sony stellte mit seinem 55-Zoll-Crystal-LED-TV eine eigene Display-Variante vor und verspricht damit ebenfalls einen deutlich höheren Kontrast, eine breitere Farbpalette und deutlich erhöhte Videobild-Reaktionszeiten.

Doch damit nicht genug: Ein weiterer Weg der Bildverbesserung ist die sogenannte 4K-Auflösung, also die vierfache Full-HD-Qualität, mit der neben Sony und den Koreanern auch Panasonic, Sharp und Toshiba punkten wollen.

Die in den Messehallen ausgestellten Screens präsentieren Bilder mit eine Schärfe und Tiefe, die bereits extrem nahe an dreidimensionale Bilder heranreichen und das von den Konsumenten bislang nur bedingt akzeptierte 3D-Feature möglicherweise sogar einmal überflüssig machen könnten. Tolle Aussichten also in Sachen Bildqualität. Einziger Haken: Der Zeitpunkt der möglichen Markteinführung von 4K-Fernsehern ist noch nicht abzusehen.

Anders sieht es bei einem TV-Gerät von Toshiba aus, das ebenfalls auf einem Panel mit 4K-Auflösung basiert: Der 55-Zöller namens ZL2G, der 3D-Fernsehen ohne Brille möglich macht, wurde nach seiner vielbeachteten Premiere auf der Berliner IFA im vergangenen Herbst nun auch dem Fachpublikum in Las Vegas gezeigt. Nun steht fest: Statt wie geplant im vergangenen Dezember soll der 8.000-Euro-Bolide mit etwas Verspätung spätestens im März in die deutschen Läden kommen.

Auch darüber hinaus war die Weiterentwicklung der 3D-Technik wieder ein CES-Thema, wenn auch längst nicht mehr so schlagzeilenträchtig wie noch im Vorjahr. Vor allem für die aktive Shutterbrillen-Variante trommelte kaum mehr ein Hersteller offensiv.

Wer 3D-Fortschritte zeigen wollte, stellte lieber die einfachere und günstigere, passive 3D-Variante in den Vordergrund, präsentierte leichtere Brillen und neue 3D-fähige Blu-ray-Player oder wartete – wie beispielsweise Sony – mit eigenen Ohne-Brille-Prototypen auf. Wer in der Wüste von Nevada auf ein Statement von Samsung zum Einstieg in die von Konkurrent LG im Vorjahr vehement propagierte Polfiltertechnik hoffte, wartete indes vergeblich.

Groß, größer, Sharp

Wer "Fernseher" sagt, meint 2012 aber vor allem "groß". Sharp zeigte in Las Vegas mit neuen 70-Zoll- und 80-Zoll-Flat-TVs Flagge, LG legt die Latte mit satten 84 Zoll beim sogenannten 3D-Ultra-Definition-TV gleich noch etwas höher. Und Samsung kündigte an, das neue Flaggschiff der 8000er-Serie erstmals nicht nur mit 60-Zoll-, sondern auch mit 75-Zoll-Diagonale auf den Markt bringen zu wollen – auch in Deutschland.

Obwohl nicht von allen Herstellern gleichermaßen offensiv propagiert, steht 2012 ganz klar auch die Verbesserung der Benutzerfreundlichkeit im Vordergrund. Dieser Schritt war dringend nötig. Mittlerweile ermöglichen Fernseher, sobald ins Netzwerk integriert, den Zugriff auf unzählige Inhalte über Apps, Video-on-Demand-Dienste und HbbTV. Allein LG spricht von 1.200 via TV verfügbaren Apps, Samsung gar von 1.400.

Wer da noch den Überblick behalten und die Angebote allesamt nutzen will, braucht daher technische Unterstützung. Vor allem haben die Top-Hersteller die Benutzeroberflächen ihrer Smart-TV-Portale daher gründlich überarbeitet. Die Einbindung ins Heimnetzwerk, die die Nutzung eigener Musik, Videos und Fotos via Fernseher ermöglicht, wurde verbessert.

Einen besonders spannenden Ansatz in puncto einfacher Bedienung verfolgt derweil Toshiba. Die Japaner haben sich mit dem Software- und Content-Dienstleister Rovi zusammengetan, um die unter dem Oberbegriff Toshiba Places subsumierten Applikationen durchschaubarer zu gestalten. So soll beispielsweise eine übergreifende Suchmaschine die Verfügbarkeit des gewünschten Films in mehreren Filmabrufdiensten überprüfen und somit gleichzeitig den Preisvergleich vereinfachen.

"Hallo Fernseher!"

Freuen darf sich auch, wer der Tastensuche auf der Fernbedienung überdrüssig ist. Die Steuerung von Smart-TV-Benutzeroberflächen und Fernsehfunktionen per Stimme oder Geste wird möglich – etwa so, wie es Microsoft mit der Kinect-Technik für die Spielkonsole Xbox 360 vorexerziert hat.

Bei der Vorführung des Smart TV ES8090, der als erster Samsung-Fernseher über die neue Technik verfügt, bildeten sich lange Warteschlangen. Und das Staunen war groß, als das Gerät aufgrund von Sprachbefehlen wie "Hallo Fernseher!" und "Lauter!" die jeweiligen Funktionen ausführte.

LG wiederum geht den ähnlichen Weg mit seiner Magic Remote. Knöpfe sind hier zwar weiterhin ein Bestandteil, die neuen Zusatzfunktionen des Gebers umfassen zudem aber auch die Sprach- und Gestenerkennung, ein Bedienrad und eine Pointing-Funktion.

Immer auf dem neuesten Stand

Zum Schluss noch eine weitere, spannende Neuerung aus dem Hause Samsung, die bald auch bei allen maßgeblichen Mitbewerbern Einzug halten dürfte: Der Marktführer will Käufern seiner Fernseher die berechtigte Sorge nehmen, die Geräte seien angesichts des hohen Innovationstempos schon kurz nach dem Kauf veraltet.

Die Koreaner werden in ihre 2012er-Modellen daher einen Slot für ein Upgrade-Kit integrieren. Ab 2013 haben Besitzer eines solchen Fernsehers damit die Möglichkeit, Soft- und Hardware mithilfe eines kleinen Sticks, der in besagten Slot eingesetzt wird, über Jahre auf dem neuesten Stand zu halten.

Eine gute Idee: Schließlich lässt es sich als Verbraucher damit in den nächsten Jahren deutlich gelassener auf die kommenden TV-Neuheiten aus Las Vegas blicken.

 
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