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Besuch in Hollywood So wurde "i,Robot" in 3D konvertiert

Es gibt einige sensationelle 3D-Filme, doch der Ruf der Technik leidet stark durch die vielen schlechten Konvertierungen, die als 3D-Blu-ray das Auge mehr verwirren als verwöhnen. 20th Century Fox zeigte uns in Hollywood, wie es besser geht.
3D Konvertierung © Fox, JVC, Roland Seibt

Die Bildqualität von 3D-Fernsehern hat sich in den letzten drei Generationen deutlich verbessert, doch noch immer ist es schwierig, das richtige Material zu bekommen, um die Heimkino-Anlage damit zu füttern. Die ultimative Vorzeigeproduktion, der Megaerfolg Avatar, durfte erst exklusiv von Panasonic in Kombination mit 3D-Geräten angeboten werden und ist erst jetzt für den normalen 3D-Blu-ray-Markt freigegeben.

Wir haben vor zwei Jahren geschrieben, dass die gesamte Filmwelt vom unerwartet großen Erfolg dieses Films so eiskalt erwischt wurde, dass niemand diesem Phänomen etwas entgegenstellen, ja nicht einmal auf dessen Welle mitschwimmen könnte. In Hollywood mussten erst einmal neuartiges Produktions-Equipment erfunden und Kameraleute geschult werden. Schlimmer noch: Es gab noch gar keine Top-Ausbildungen zum Stereografen. Avatar-Regisseur James Cameron war seinen Kollegen um Jahre voraus, und so hat es bis jetzt gedauert, dass langsam echte Filme und nicht nur Animationsfilme in 3D entstehen.

Damit fing alles an: Der 3D-Prozessor IF-2D3D1 von JVC kommt bei Live-Aufnahmen oder der Aufbereitung und Ausstrahlung von 3D zum Einsatz. Nach ersten Versuchen genügte die vollautomatische 3D-Wandlung den hohen Qualitätsansprüchen von Fox aber lange nicht. © Fox, JVC, Roland Seibt
Damit fing alles an: Der 3D-Prozessor IF-2D3D1 von JVC kommt bei Live-Aufnahmen oder der Aufbereitung und Ausstrahlung von 3D zum Einsatz. Nach ersten Versuchen genügte die vollautomatische 3D-Wandlung den hohen Qualitätsansprüchen von Fox aber lange nicht.

Gute 3D-Konvertierung ist teuer

Wollte man eine echt gute Konvertierung von 2D-Material in 3D haben, musste alles von wenigen Expertenfirmen in langwieriger Handarbeit umgesetzt werden. Dieser Vorgang soll bis zu 70.000 US-Dollar pro Filmminute kosten und lohnt sich daher nur für neue Filme, die richtig Kasse machen – wie das bei Transformers 3, The Avengers, Men in Black 3, Alice im Wunderland und dem letzten Harry Potter der Fall war. Dieses Jahr sieht es bereits etwas besser aus, denn Neuerscheinungen wie Prometheus, Amazing Spiderman, Resident Evil: Retribution, Underworld Awakening und natürlich Der kleine Hobbit sind in waschechtem 3D gedreht worden.

Als deutsche Highlights darf man den Film Die drei Musketiere und Werner Herzogs Höhle der vergessenen Träume nicht vergessen. Beide Produktionen entstanden 2011 in technisch exzellenter 3D-Umsetzung.

Billige Massenproduktion

Wir Deutschen sind übrigens, was einen anderen Aspekt betrifft, Weltmeister in 3D – nämlich bei der Anzahl der veröffentlichten 3D-Blu-rays. Über 400 Titel sollen es sein, die mittlerweile bei uns verfügbar sind. Und hier liegt ein großes Problem des 3D-Booms. Der Markt wurde erkannt und mit schlecht gemachten 3D-Konvertierungen überschwemmt, die einem fast die Augen bluten lassen, wenn man sich den Spaß länger als ein paar Minuten gönnt.

Selbst in preiswerten 3D-Fernsehern ist nun eine Funktion eingebaut, die 2D-Inhalte in die dritte Dimension konvertiert, und die Qualität der Algorithmen in den betreffenden Authoring-Studios erscheint kaum besser als das. Man kann nur hoffen, dass nicht gleich eine ganze Technologie verteufelt wird, wenn man auf diese schwarzen Schafe der 3D-Blu-rays trifft. Doch im Vergleich zu den wenigen richtig guten 3D-Produktionen sind es leider unglaublich viele.

Kooperation von Fox und JVC

Seit Jahren ist klar, dass jeder gute Fernseher 3D können wird und dass das Interesse und die Kaufbereitschaft selbst für ältere Filme in 3D stark zunehmen werden – natürlich nur, wenn die Qualität stimmt. Daher ist es sehr schade, dass es offensichtlich keine guten und preiswerten Tools gibt, mit denen man im Studio tolle Filme, die noch konventionell gedreht wurden, in sehenswerte 3D-Qualität umwandeln kann. Die Entwicklung solcher Verfahren und Geräte dauert nun mal seine Zeit, doch jetzt gibt es Licht am Horizont für 3D-Fans.

iRobot Requisiten

video-Redakteur Roland Seibt zu Besuch bei "Sunny" in den Requisitenräumen der Fox-Studios.

Im April hatten VideoTech, ein Unternehmen aus dem Profiproduktionsbereich der japanischen JVC-Gruppe, und der Filmanbieter 20th Century Fox bekannt gegeben, dass sie den Film i,Robot als erstes gemeinsames Projekt in 3D konvertieren wollen. Und damit diese neuartige Produktion nicht in den vielen schlecht gemachten Filmen untergeht, wurde kurz vor dem Marktstart eine Handvoll Journalisten aus den 3D-Hochburgen Deutschland, England und Australien ins Hauptquartier von Fox nach Hollywood eingeladen, um die Vorzüge und Details des Verfahrens exklusiv vorgeführt zu bekommen. Deutschland repräsentierte unser Technik-Chef Roland Seibt, der den Drei-Tage-Horrortrip ins Herz der Filmindustrie gern und sehr gespannt auf sich nahm.

Die Kosten sind entscheidend

Die 3D-Konvertierung muss ein Geschäftsmodell mit Gewinn sein, sonst hat sie keine Chance. Und es klappt halt nur bei Publikumserfolgen wie Titanic, sie drei Jahre lang mit immensem menschlichen und technischen Aufwand manuell zu beackern, um ein unglaublich gutes 3D-Ergebnis zu erzielen. Der Trick bei JVCs neuer 3D-Workstation ist, dass viele Teile des Prozesses in ordentlicher Qualität automatisiert werden können, aber stets ein geschulter Stereograf in beliebiger Intensität eingreifen und das Ergebnis optimieren kann.

Ian Harvey ist Senior Vice President, Advanced Technology bei 20th Century Fox Home Entertainment, und damit verantwortlich für die Analyse und Entwicklung neuer Technologien des Filmkonzerns. Er hat sich jahrelang intensiv mit 3D auseinandergesetzt und seine hohen Qualitätsansprüche Punkt für Punkt den japanischen Software-Entwicklern von VideoTech (JVC) vorgetragen. Als Verantwortlicher für das Projekt war er massiv involviert beim Aufbau des Referenzsystems in Tokio. Auch die erste Konvertierung hat er Filmbild für Filmbild und Pixel für Pixel begleitet, damit die Qualität dieses Vorzeigeprojektes herausragend wird.

So funktioniert die 3D-Konvertierung

Aber was passiert genau, wenn ein Film umgewandelt wird und wo kommen die Qualitätsunterschiede her? Zuerst muss von jeder Szene eine Tiefenanalyse angefertigt werden. Welche Objekte sind getrennt voneinander relevant und wo im Raum gehören sie hin? Schon hier nimmt das System dem Operator eine Menge Arbeit ab. Anhand von Schärfe, Fluchtlinien, Verdeckungen, Bewegungsgeschwindigkeit und vielen weiteren Hinweisen muss entschieden werden, wie weit ein Objekt in die Tiefe des Fernsehers eindringen soll oder es heraustritt.

i,Robot 3D-Konvertierung

1. Original importieren und Tiefe abschätzen
Szene für Szene wird analysiert, und dabei wird abgeschätzt, wie weit die nächsten und die fernsten Objekte entfernt sind, und wie viele Ebenen es geben soll.

Dann müssen Objekte exakt an ihren Kanten präzise freigestellt werden. Den Vorgang nennt man im Filmjargon "Rotoscoping", angelehnt an eine frühe Zeichentricktechnik, bei der die Umrisse von Realfilmen auf einer Projektorbank nachgezeichnet wurden, um besonders realistische Bewegungsabläufe in Comic-Filmen hinzubekommen. Auch hier wurde JVCs System auf maximale Intelligenz getrimmt, weil dieser Vorgang für jedes einzelne Filmbild viel Zeit in Anspruch nimmt. Der folgende kritische Schritt wird momentan von Expertenhand ausgeführt. Um den bekannten Effekt der 3D-Pappkameraden, also den Eindruck, die 3D-Objekte seien in sich flach, zu vermeiden, bekommt jede Maske eine dreidimensionale Form. Nur so wirken Personen und größere Objekte wirklich räumlich realistisch. Das ist bislang einer der stärksten Kritikpunkte und somit ein riesiger, wichtiger Fortschritt.

Sind die Objekte erfasst und ist ihre Tiefe bestimmt, müssen sie nur nach rechts und links verschoben werden, damit jedes Auge eine andere Ansicht bekommt. Ein Hauptproblem bei der 3D-Konvertierung ist, dass durch diese Verschiebung Löcher an den alten Positionen der Objekte entstehen. Und diese versucht das neue System durch Strecken und Kopieren so zu füllen, dass man sie nicht mehr sieht. Das funktioniert nicht immer, hier müssen gut ausgebildete Operatoren und Supervisoren eingreifen und entscheiden, wo manuell nachgezeichnet werden muss. Das ist teure Expertenarbeit, die in Hollywood die Spezialfirma 3D-Paint/FX erledigt, und sehr kritisch für das Geschäftsmodell 3D-Konvertierung. Dank der intelligenten Software von JVC soll der Aufwand aber überschaubar sein.

Die besten Science-Fiction-Filme auf Blu-ray

Eigentlich ist die 3D-Fassung damit fertig, doch als i-Tüpfelchen können für wichtige Filmmomente noch echte vom Computer generierte 3D-Effekte addiert werden, etwa herumfliegende Glassplitter, Kugeln oder Patronenhülsen. Nur diese dürfen wirklich weit aus dem Bildschirm herauskommen, weil dann das Auge tatsächlich zwei unterschiedliche Ansichten eines Objektes erfassen muss.

Das spektakuläre Science-Fiction-Abenteuer i,Robot ist in der neuen 3D-Fassung ab 29. Oktober 2012 auch in Deutschland erhältlich. Die Luxusbox besteht aus zwei Discs: 3D-Film und 2D-Film mit höchster Bildqualität und vielen Extras. © Fox
Das spektakuläre Science-Fiction-Abenteuer i,Robot ist in der neuen 3D-Fassung ab 29. Oktober 2012 auch in Deutschland erhältlich. Die Luxusbox besteht aus zwei Discs: 3D-Film und 2D-Film mit höchster Bildqualität und vielen Extras.

Der erste Eindruck

Fox geht mit der 3D-Blu-ray-Technik im Hinterkopf den Weg, das 3D-Bild unsymmetrisch zu erzeugen. Das heißt, das Bild fürs linke Auge bleibt unverändert und rechts wird ein neues erzeugt. Auch eine Blu-ray speichert die Bildinformationen fürs linke Auge voll und vom rechten nur die Differenz-Informationen. So bleibt die 2D-Qualität erhalten, weil ein Player dann nur das linke Auge berücksichtigt. Eventuelle 3D-Qualitätseinbußen durch Skalieren und Strecken werden nicht auf beide Augen verteilt, sondern sind eventuell etwas kritischer.

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Leider lag uns die endgültige Blu-ray von i,Robot zum Redaktionsschluss noch nicht vor und wir können nur die Viertelstunde bewerten, die wir in den Fox Studios anschauen durften. Der 3D-Eindruck war absolut fehlerfrei, was Tiefenstaffelung und Randverzerrungen betrifft. Die Handlung spielt sich auf der Bildschirmebene ab, was Übersprechen vermeidet, und die räumliche Tiefe entfernt sich eher vom Zuschauer – aber nicht zu tief und ohne übertriebene Gimmicks. Die Szenarien wirken daher recht natürlich, aber niemals maximiert oder anstrengend.

Für Fox ist i,Robot die erste Referenz-Veröffentlichung, weitere Titel werden folgen. Welche es sein werden, ist noch geheim. Und VideoTech denkt schon darüber nach, mehrere Workstations für die 3D-Konvertierung einzurichten und diese dann auch in 4K-Qualität zu nutzen. Das sind gute Nachrichten für Fans von 3D und älteren Filmen.

 
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