Jetzt kommen sie also doch alle in die dritte Dimension: Shrek, Megamind, die "Ice Age"-Bande und die Kinderzimmergang aus "Toy Story". Die Animationshits der letzten beiden Jahre waren auf Blu-ray Disc zunächst nur in der 2D-Fassung veröffentlicht worden. Nun haben die Studios offensichtlich beschlossen, dass die Zeit reif sei, die Filme wie auf der großen Leinwand auch im Heimkino in 3D zu präsentieren.
Aber nicht nur die aktuellen CGI-Abenteuer wurden räumlich aufpoliert: Auch ältere Filme wurden getunt. Die ersten drei "Shrek"-Filme und die ersten beiden "Toy Story"-Abenteuer von Cowboy Woody und Astronaut Buzz Lightyear, die im Kino in 2D zu sehen waren. Sogar "Die Schöne und das Biest" tanzen jetzt in dritter Dimension. Wir stellen Ihnen ein Dutzend neue Animationsfilme für das 3D-Heimkino in einer Bildergalerie vor.
"Ice Age 3" (Fox, ca. 27 Euro): Die "krasse Herde" ist in Alarmbereitschaft: Jeden Moment könnte das Mini-Mammut von Manni und Ellie zur Welt kommen. Und auch Faultier Sid gründet eine Familie: Eigenmächtig übernimmt er das Sorgerecht für drei Eier, die er in einer Höhle gefunden hat. Der dritte Teil des CGI-Spektakels "Ice Age" zitiert von "Familie Feuerstein" bis zu "Terminator" alles, was Rang und Namen hat. Die Dialoge sprühen vor Wortwitz und für jede Menge Action ist auch gesorgt.
Obwohl recht ordentlich, ist die 3D-Umsetzung nicht wirklich spektakulär. Die räumliche Tiefe wird meist recht behutsam aufgebaut, wirkt allerdings immer etwas künstlich. Pop-Out-Effekte gibt es in überschaubarer Anzahl. Beeindruckend ist vor allem die Eingangssequenz, in der die neue Geliebte des Säbelzahnhörnchens im Herbstlaub tanzt.
"Toy Story" (Disney, ca. 28 Euro): Mittlerweile sind 16 Jahre seit der Revolution vergangen: 1995 entstand mit "Toy Story" der erste reine Animationsfilm am Computer. Im Kinderzimmer dreht sich alles um die Cowboy-Puppe Woody - zumindest war das bislang so. Doch als der kleine Andy im ersten Teil die Action-Figur "Buzz Lightyear" geschenkt bekommt, ändern sich die Verhältnisse schlagartig. Fortan wird Woody beim Spielen links liegen gelassen.
Der Film wird in bestechender Qualität präsentiert. Das plastische Bild überzeugt mit satten Farben und gut abgestuften tiefen Schwarztönen: Die räumliche Wirkung wird behutsam aufgebaut, ist aber wirkungsvoll.
"Toy Story 2" (Disney, ca. 28 Euro): Cowboy Woody wird von einem skrupellosen Spielzeughändler entführt, der ihn an einen Sammler nach Japan verkaufen will. Doch seine neue Freundin Jessie hilft ihm zu fliehen.
Durch die Konvertierung in 3D werden die Details bedeutend besser wiedergegeben, was die Filme plastischer macht. sieht in 3D schlichtweg fantastisch aus. Die räumliche Tiefe ist sauber gestaffelt, Ghosting gibt es nicht.
"Toy Story 3" (Disney, ca. 28 Euro): Weil ihr Besitzer Andy aufs College geht, werden Cowboy Woody und Astronaut Buzz Lightyear in einen Kindergarten geschafft: Dort regiert ein Teddybär, der gar nicht kuschelig ist, sondern ein rabiater Plüschgangster. Rasant, clever und sehr reif: "Toy Story 3" erzählt eine unterhaltsame Geschichte mit genauso viel Witz wie traurigen Untertönen.
Regisseur Lee Unkrich war der Erste, der die 3D-Technik in einem Animationsfilm von Anfang richtig einsetzte. Die Räumlichkeit ist nicht nur ein Marketinginstrument: Auf der BD wird keine Effekthascherei betrieben. Die dritte Dimension macht den Ausbruch aus dem Kindergarten-Gefängnis zu einer witzigen, schwungvollen Angelegenheit mit exzellentem Gespür für die räumliche Tiefe. Den pulsierenden Sound und die fantastischen Extras gab es bereits in der 2D-Fassung.
"Monster und Aliens" (Paramount, ca. 23 Euro): Die Rettung der Welt ist eine Aufgabe, die in die Hände von Spezialisten gehört: Eine Handvoll Monster tritt gegen außerirdische Invasoren an. "Monster und Aliens" kaschiert zu keinem Zeitpunkt die Tatsache, dass seine Macher (Regie und Drehbuch: Rob Letterman und Conrad Vernon) einen überirdischen Spaß an der Arbeit hatten: Ungeniert plündert ihr temporeicher Trickfilmspaß die Geschichte des fantastischen Films.
Die optische Umsetzung der Blu-ray-Version ist klasse: Satte, leuchtende Farben, perfekte Belichtung und nicht zuletzt eine beeindruckende 3D-Umsetzung mit vielen Pop-Out-Effekten sorgen für eine Galavorstellung.
"Megamind" (Paramount, ca. 23 Euro): "Shrek" war gestern - jetzt kommt "Megamind"! Der neue Antiheld des Hauses Dreamworks hat nach langem Kampf seinen ewigen Widersacher Metro Man besiegt. Aber: Ohne Superhelden fehlt einem Superbösewicht der Sinn im Leben. Um die Langeweile zu bekämpfen, baut er sich also einen neuen Helden. Doch der will partout nicht gut sein. - Böse ist, wer Böses tut: Ganz so einfach ist es in "Megamind" allerdings nicht.
Dem übermäßig schrillen Effektfeuerwerk mögen die subtilen Töne fehlen: Perfekt animiert ist es allemal und macht mit spektakulären 3D-Effekten eine Menge her.
"Drachenzähmen leicht gemacht" (Paramount, ca. 23 Euro): Eigentlich sollte Drachentöten der Lebensinhalt von Häuptlingssohn Hicks sein. Doch der junge Wikinger ist etwas aus der Art geraten. Mit Köpfchen statt Muckis gelingt es ihm, in einem sympathischen Animationsspektakel eine uralte Fehde zwischen Drachen und Menschen zu beenden. Doch bis dahin ist es ein weiter Weg, der in einer cleveren Story verpackt, mit Humor gewürzt und mit viel Liebe zum Detail inszeniert wurde.
Die Feinabstimmung fehlt noch: Die 3D-Umsetzung ist ohne Frage spektakulär, allerdings wird zu oft mit negativen Parallaxen gearbeitet. Durch die ständigen Pop-Outs wirkt die dritte Dimension unruhig. Das ist auf Dauer anstrengend für die Augen, die sich ständig neu fokussieren müssen. Dabei geht dann leider unter, dass die Staffelung in die Tiefe im Prinzip recht ordentlich gelungen ist.
"Shrek - Der tollkühne Held" (Paramount, ca 23 Euro): "Shrek" lass nach: Eben noch konnte die Prinzessin dem Feuer speienden Drachen entkommen, und schon stimmt sie ein Duett mit einem netten Piepmatz an. Doch die Idylle hält nicht lange an. Die Lady stoppt nicht beim "hohen C", sondern erklimmt immer schrillere Tonlagen. Das Vöglein versucht mitzuhalten und wird in 1.000 Stücke zerrissen. In "Shreks"-World haben altbekannte Märchenfiguren ebenso nichts zu lachen wie eingeführte Animations-Spielregeln. Das "Dreamworks"-Team entzaubert mit seinem meisterhaft computeranimierten Film eine traditionelle Vorstellung nach der anderen.
Des Ogers erstes Abenteuer ist auch technisch gelungen: Die 3D-Effekte sind gut, die räumliche Tiefe ist sauber gestaffelt, und es gibt ein paar hübsche Pop-Outs zu bestaunen.
"Shrek 2 - Der tollkühne Held kehrt zurück" (Paramount, ca. 23 Euro): Alle Welt weiß heute, was ein Oger ist. Das nicht gerade ansehnliche Animations-Monster aus dem Sumpf eroberte bereits im Sommer 2001 die Herzen von vielen Fans. Drei Jahre später kam ein Kater dazu - als Killer für Shrek engagiert erweist er sich schnell als harmlose Mieze und schlägt sich fortan auf die Seite des Guten. Jetzt hat er sogar einen eigenen Kinofilm: "Der gestiefelte Kater" (Kinostart: 8. Dezember).
Der gestiefelte Kater macht im Kampf mit dem Oger eine eher schlechte Figur. Die 3D-Optik ist aber ungemein plastisch und - obwohl augenfreundlich weich - mit perfekt sitzender Schärfe auch in der Tiefe detailreich.
"Shrek der Dritte" (Paramount, ca. 23 Euro): Wer älter als 16 Jahre ist, wird den Tod des Froschkönigs genießen. Eine unfassbar komische Szene, schwarzhumorig, mit perfektem Timing inszeniert. Zweifellos einer der Höhepunkte im dritten Teil der "Shrek"-Reihe, der sich ansonsten deutlicher noch als seine beiden Vorgänger an ein junges Publikum richtet. Das Hintergründige, das bisweilen gar Derbe - man erinnere sich an platzende Singvögel in Teil eins -, ist nun über weite Strecken verschwunden.
Die Blu-ray 3D macht selbst bei schnellen Schwenks und den häufig eingebauten Actionsequenzen eine ausgesprochen gute Figur. Die Räumlichkeit wurde zurückhaltend, aber wirkungsvoll und ohne nennenswerte Ghosting-Effekte arrangiert.
"Für immer Shrek" (Paramount, ca. 23 Euro): Einst ein grüner Rebell, lebt Oger Shrek mittlerweile das Leben eines braven Familienvaters und vermisst seine früheren Abenteuer. Im Suff klagt er Rumpelstilzchen sein Leid. Der Wicht hat einen finsteren Plan, und Shrek muss das Märchenland vor dem Zwerg retten. Das ist weniger originell, als erschreckend langweilig und vorhersehbar.
Immerhin gibt es jede Menge Actionszenen mit perfekter 3D-Umsetzung: Hier spielt "Shrek" in der Champions League. Das Bild ist plastisch, der Raum ist tief gestaffelt und wirkt immer natürlich. Ein paar geschickt eingesetzte Pop-Outs verstärken das fantastische Erlebnis in der dritten Dimension. Besser geht's im Moment einfach nicht. Auch die ersten drei Teile sind als Blu-ray 3D erhältlich.
"Die Schöne und das Biest" (Disney, ca. 26 Euro): Pomp, Prunk und Pathos: Disney zieht die zauberhafte Liebesgeschichte zwischen einer Dorfschönheit und einem adligen Monster aus der Märchenkiste. Dem klassischen Zeichentrickfilm wurde ganz zeitgemäß die dritte Dimension verpasst - getanzt und gesungen wird aber noch im herkömmlichen Schmachtstil.
Die Musicalnummern machen sich in 3D sehr gut, nur selten kommt es zu Übersprecheffekten. Vor allem überrascht die Tiefe, die Disney den Bildern verliehen hat - Pop-Out-Effekte hingegen gibt es nicht. Der Sound der BD ist glasklar und bietet immer wieder Surroundeffekte. Ärgerlich ist das Bonusmaterial: Zwar sind interessante Beiträge enthalten, aber viele Extras befinden sich auf einer ominösen "Disc 2" - die gibt es jedoch nur in der BD-Fassung, die vor einem Jahr veröffentlicht wurde.