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Hintergrund Judith Richter - Willkommen in der Comedy-Familie

Eigentlich ist Judith Richter ein höflicher, offener Mensch. Doch schon bald gelten für ihren Freund und für den Bekanntenkreis neue Regeln. "Künftig darf man mich an den Freitagabenden einfach nicht mehr anrufen", sagt die 33-jährige Münchnerin und muss selbst ein wenig lachen bei der Vorstellung.
© SAT.1 / Guido Engels

Am Freitag, 20. April, starten um 22.10 Uhr die neuen Folgen der Kult-Comedy "Ladykracher", in der die charmante TV-Komikerin eine feste Rolle gefunden hat. Und Richter möchte einfach beim Fernseherlebnis dabeisein und wie ganz gewöhnliche Zuschauer nicht verpassen, wie sie zusammen mit Anke Engelke & Co. Possen reißt. "Am Anfang hatte ich ein wenig Sorge, zu einem so gut eingespielten Team zu stoßen", erzählt Judith Richter von den Dreharbeiten. "Aber ich wurde sehr liebevoll aufgenommen. Natürlich ist Anke die Mutter der Familie. Sie hat mir das Gefühl gegeben, ich würde schon von Anfang an dazugehören."

Die gute Laune der "Ladykracher"-Sketche färbt selbstverständlich auch auf die Stimmung am Set ab. "Es herrscht dort immer eine Wahnsinns-Energie", schwärmt Judith Richter. "Anke macht den ganzen Tag Faxen. Aber wenn die Kamera läuft, ist der Vollprofi am Werk." Bei den vielen stark zugespitzen Mini-Szenen ist Timing und Konzentration das A und O. "Hinter allem Humorvollen steht doch auch etwas Dramatisches", erklärt Judith Richter. "Es ist nicht einfach, die Menschen zum Lachen zu bringen", auch wenn das Ergebnis vermeintlich spielerisch leicht wirkt. "Ich finde es sogar schwieriger, als die Zuschauer zum Weinen zu bringen."

Trotzdem galt ihre Hauptsorge in erster Linie, auch im kreativsten Chaos Haltung zu bewahren. "Es gab definitiv einige Szenen, in denen es mir schwer fiel, richtig ernst zu bleiben", gesteht Judith Richter und muss dabei auch an ihre eigene SAT.1-Comedyreihe im Duett mit Alexander Schubert denken, bei der es einst hinter den Kulissen ebenfalls hoch herging. "Schon bei ,Two Funny' ist es uns gelungen, 30 bis 40 Takes in Folge zu versemmeln", sagt sie im Rückblick.

Dass perfekte Gags solides Handwerk erfordern, steckt Judith Richter dabei gewissermaßen in den Genen. "Ich habe vielleicht von meiner Mutter gelernt, mich gut zusammenzureißen", sagt sie und spielt auf die außerordentliche Routine von Beatrice Richter an, die zusammen mit dem Komiker Diether Krebs bei "Rudis Tagesshow", aber vor allem in der "Sketchup"-Reihe Außerordentliches geleistet hat. "Im Laufe der Jahre habe ich gelernt, dass bei uns die Komödie im Blut liegt", sagt die Tochter heute. Lange Zeit war es ihr nicht ganz so recht, immer auf ihre bekannte Mutter - aber auch auf ihren Vater Heinz Baumann, der ebenfalls Schauspieler war - angesprochen zu werden.

Willkommen in der Comedy-Familie

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"Ich wurde sehr liebevoll aufgenommen": Judith Richter ist die Neue im "Ladykracher"-Team.

"Als ich mit dem Schauspielen anfing, mochte ich es nicht, mit meinen Eltern in Verbindung gebracht zu werden", erinnert sich Judith Richter. "Vor allem wollte ich einen anderen Weg einschlagen als meine Mutter." Deshalb bewarb sie sich nach der Schauspielschule zunächst vor allem für dramatische, gewichtig ernste Bühnenrollen. "Dabei steckt das komödiantische Talent einfach in mir", analysiert sie sich selbst treffend. "Als man mich früher nach einem Auftritt lobte und sagte: 'Du bist so komisch', habe ich das als Beleidigung aufgefasst", kichert sie noch heute.

Vor allem mit der "Two Funny"-Reihe, die nach zwei Staffeln von SAT.1 nicht fortgesetzt wurde, hatte sie zu sich selbst gefunden. "Ich habe große Sicherheit bekommen und gemerkt, dass die komischen Rollen das sind, was ich am besten kann", sagt sie - und fügt aber schnell augenzwinkernd hinzu: "Trotzdem würde ich natürlich gerne auch mal eine 'Tatort'-Kommissarin spielen." Allerdings fühlt sie sich im Team von Anke Engelke pudelwohl - und auf gewisse Weise geadelt. "Ich wollte immer den Jackpot knacken - und entweder bei 'Stromberg' oder bei 'Ladykracher' mitspielen."

Obwohl Judith Richter auf dem besten Weg ist, in die A-Klasse der deutschen TV-Komikerinnen vorzustoßen, liegt ihr privat das hierzulande kultivierte Spaßverständnis nicht unbedingt. "Leider finde ich in der deutschen Comedy nur selten meinen Humor", sagt sie und wundert sich darüber, dass Mario Barth große Hallen füllt. Näher kommt ihr - vermutlich auch, weil sie zweisprachig deutsch und amerikanisch aufwuchs - der angelsächsische Stil. "Schwarzer Humor ist genau mein Ding", sagt Judith Richer. Sie liebt den "unglaublichen Zynismus" und den trockenen Humor von US-Serien wie "Dr. House", "Dexter" oder "Breaking Bad" und gesteht offen: "Ich bin ein totaler DVD-Junkie."

Überhaupt ist sie wie so viele Stimmungskanonen in Wirklichkeit ganz anders. "Ich bin ein eher introvertierter Mensch. Natürlich will ich nicht sagen: Mein Beruf ist meine Therapie. Aber das Spielen gibt mir die Chance, mich ganz anders zu geben", berichtet sie. "Wenn die Kamera läuft, fühle ich mich frei und wie zu Hause." In gewisser Weise ist das Bedürfnis nach Ruhe auch eine frühe Abnabelungstaktik gegenüber dem extrovertierten Naturell ihrer Mutter Beatrice. "Ich schäme mich schnell - vor allem wenn meine Mutter mal wieder in Fahrt kommt und wie ein Maschinengewehr spricht."

Allerdings steckt in Judith Richter gleichzeitig auch viel Bewunderung für die Erfahrung, aber auch die Souveränität ihrer Mutter im Umgang mit dem künstlerischen wie privaten Stress. Vor allem die Unterstützung bei den Vorbereitungen für "Two Funny" hatte die beiden seinerzeit eng zusammengebracht. "Meine Mutter ist sehr stolz auf mich", erinnert sie sich. "Sie hat mir unglaublich viel helfen können."

Gemeinsam gingen sie Szene für Szene durch - und standen sogar für eine Kurzepisode einmal gemeinsam vor der Kamera. "Sie war wirklich meine Lehrerin", sagt Judith Richter heute. "Da hört das klassische Muter-Tochter-Verhältnis schnell auf." Der nächste Schritt ist eigentlich naheliegend: "Ich habe schon seit Jahren den Wunsch, einmal etwas gemeinsam mit meiner Mutter zu spielen." Auf diese Familien-Rolle darf man sich freuen.

 
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