Hintergrund Liam Neeson: "Ich gebe der Sache noch zwei Jahre"
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Kein Problem, auch nicht mit knapp 60 Jahren. "Man muss ein bestimmtes Level an körperlicher Fitness halten. Allein das Drehen jedes Films verlangt ein gewisses Durchhaltevermögen. Also schickt es sich, sich angemessen fit zu halten." Seine eigene sportliche Vergangenheit - in seiner Jugend stand er regelmäßig im Boxring - hilft ihm dabei: "Auch als Boxer trainiert man immer auf einen Kampf hin. Und wenn man eine Actionrolle spielt, muss man sich darauf vorbereiten. Danach kann man ein bisschen loslassen."
Doch seine Tage als Actionstar sind gezählt, glaubt Neeson: "Ich gebe der Sache noch zwei Jahre, bevor meine Knie aufgeben. Danach wird es wohl etwas albern." Solange es allerdings noch dauert, genießt er sein Image als harter Hund. Von den Dreharbeiten zu "The Grey" etwa berichtet er, dass der Regisseur Joe Carnahan von den Schauspielern verlangte, echtes Wolfsfleisch zu essen. "Es war nicht so schlimm. Ein paar Schauspielern wurde richtig schlecht. Mir nicht", erzählt er augenzwinkernd. Schlimmer waren da schon die Temperaturen: Carnahan trieb seine Schauspieler bei 30 Grad unter Null durch den Schnee. "Es war verdammt kalt. Und es war sehr, sehr schwer zu gehen. Mit all den Kleidern am Leib und Schnee bis zu den Knien. Einfach nur ein paar Schritte zu gehen war ein echtes Workout, eine Herausforderung."
"The Grey" reizte den Schauspieler aber weniger wegen der Möglichkeit, sich körperlich zu beweisen. Ausschlaggebend waren andere Gründe. "Ich mag gute Drehbücher. Ganz gleich, welches Genre. Es ist eine großartige Geschichte, fast wie ein episches Gedicht aus dem 19. Jahrhundert", erklärt Neeson. Er selbst sei schon immer von Naturerzählungen fasziniert gewesen: "Ich habe Jack London gelesen, und wie! Und in den Siebzigern liebte ich die Filme, die Robert Redford machte, 'Jeremiah Johnson' und so." Da liege es natürlich nahe, mit John Ottway selbst mal einen solchen Helden zu spielen, der sich in der Wildnis beweisen muss.
"Mir gefiel außerdem die Tatsache, dass er kein stoischer, klassischer Klischeeheld ist. Dieser Kerl ist sehr verletzlich und in seinen Grundfesten erschüttert ... aus verschiedenen Gründen." Neeson stockt nur kurz, und doch ist sofort klar, wovon er spricht. Es ist eigentlich nur eine Sache, die seine Filmfigur - und ihn selbst - erschüttert: Ottway ist frisch verwitwet. Ein heikles Thema, immer noch. 2009 starb Natasha Richardson, Neesons Ehefrau, mit 45 Jahren nach einem Skiunfall. Der Abstand von drei Jahren und eine neue Freundin konnten den Schmerz nicht vergessen machen. Wohl gerade auch deshalb geriet Neesons Performance in dem Film besonders aufwühlend.
Was ihm an Ottway besonders gefalle, so verriet er kürzlich in einem anderen Interview, sei, "dass er weiß, dass er direkt in den Abgrund schaut und trotzdem immer weiter einen Fuß vor den anderen setzt. Es gibt Hoffnung - oder wenigstens Entschlossenheit." Durchhalten - die Devise gilt auch für Neeson. Als die Interviewrunde beendet ist, quält er sich aus seinem Sitz und folgt der PR-Dame zum nächsten unliebsamen Pressetermin. Einen Fuß vor den anderen.