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Hintergrund Liam Neeson: "Ich gebe der Sache noch zwei Jahre"

Ein Mann macht weiter: Als depressiver Biologe John Ottway kämpft Liam Neeson sich derzeit im Kino durch Schneestürme, er wehrt Wolfsangriffe ab und geht seinen Weg. Nur eine von vielen Actionrollen, die der Nordire in der letzten Zeit angenommen hat. Dass solche Anstrengungen bei dem 59-jährigen Schauspieler allmählich ihren Tribut fordern, wird beim Pressetermin zu "The Grey" klar. Dass er sich davon nicht aufhalten lassen will, genauso.
© Universum Film

Der Hüne, den man erwartet hat, kommt nicht. Liam Neeson ist groß, ja, aber sehr viel schmaler, als er auf der Leinwand wirkt. Blass sieht er aus, als er zwischen den Journalisten Platz nimmt. Müde. Seine Energie, so scheint es, spart sich Neeson ganz für seine Rollen auf. Derzeit ist der Vielspieler gleich in drei Filmen im Kino zu sehen: "The Grey", "Zorn der Titanen" und "Battleship". Noch in diesem Jahr starten außerdem der letzte Teil von Christopher Nolans Batman-Trilogie "The Dark Knight Rises" (Start: 26.07.), in dem er eine Nebenrolle übernimmt, und "96 Hours 2 - The Payback" (Start: 11.10.) mit Neeson in der Hauptrolle. Nächstes Jahr sollen dann der Actionthriller "Non-Stop" und der Liebesfilm "Third Person" folgen. Hier kann Neeson es dann endlich einmal ruhiger angehen lassen - in den übrigen Filmen ist harter körperlicher Einsatz gefragt.

Kein Problem, auch nicht mit knapp 60 Jahren. "Man muss ein bestimmtes Level an körperlicher Fitness halten. Allein das Drehen jedes Films verlangt ein gewisses Durchhaltevermögen. Also schickt es sich, sich angemessen fit zu halten." Seine eigene sportliche Vergangenheit - in seiner Jugend stand er regelmäßig im Boxring - hilft ihm dabei: "Auch als Boxer trainiert man immer auf einen Kampf hin. Und wenn man eine Actionrolle spielt, muss man sich darauf vorbereiten. Danach kann man ein bisschen loslassen."

Doch seine Tage als Actionstar sind gezählt, glaubt Neeson: "Ich gebe der Sache noch zwei Jahre, bevor meine Knie aufgeben. Danach wird es wohl etwas albern." Solange es allerdings noch dauert, genießt er sein Image als harter Hund. Von den Dreharbeiten zu "The Grey" etwa berichtet er, dass der Regisseur Joe Carnahan von den Schauspielern verlangte, echtes Wolfsfleisch zu essen. "Es war nicht so schlimm. Ein paar Schauspielern wurde richtig schlecht. Mir nicht", erzählt er augenzwinkernd. Schlimmer waren da schon die Temperaturen: Carnahan trieb seine Schauspieler bei 30 Grad unter Null durch den Schnee. "Es war verdammt kalt. Und es war sehr, sehr schwer zu gehen. Mit all den Kleidern am Leib und Schnee bis zu den Knien. Einfach nur ein paar Schritte zu gehen war ein echtes Workout, eine Herausforderung."

"Ich gebe der Sache noch zwei Jahre"

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Geheimwaffe Boxhandschuh: Dank seiner Vergangenheit im Ring kann Liam Neeson auch mit 59 Jahren noch hart zuschlagen - nur auf der Leinwand, versteht sich.

"The Grey" reizte den Schauspieler aber weniger wegen der Möglichkeit, sich körperlich zu beweisen. Ausschlaggebend waren andere Gründe. "Ich mag gute Drehbücher. Ganz gleich, welches Genre. Es ist eine großartige Geschichte, fast wie ein episches Gedicht aus dem 19. Jahrhundert", erklärt Neeson. Er selbst sei schon immer von Naturerzählungen fasziniert gewesen: "Ich habe Jack London gelesen, und wie! Und in den Siebzigern liebte ich die Filme, die Robert Redford machte, 'Jeremiah Johnson' und so." Da liege es natürlich nahe, mit John Ottway selbst mal einen solchen Helden zu spielen, der sich in der Wildnis beweisen muss.

"Mir gefiel außerdem die Tatsache, dass er kein stoischer, klassischer Klischeeheld ist. Dieser Kerl ist sehr verletzlich und in seinen Grundfesten erschüttert ... aus verschiedenen Gründen." Neeson stockt nur kurz, und doch ist sofort klar, wovon er spricht. Es ist eigentlich nur eine Sache, die seine Filmfigur - und ihn selbst - erschüttert: Ottway ist frisch verwitwet. Ein heikles Thema, immer noch. 2009 starb Natasha Richardson, Neesons Ehefrau, mit 45 Jahren nach einem Skiunfall. Der Abstand von drei Jahren und eine neue Freundin konnten den Schmerz nicht vergessen machen. Wohl gerade auch deshalb geriet Neesons Performance in dem Film besonders aufwühlend.

Was ihm an Ottway besonders gefalle, so verriet er kürzlich in einem anderen Interview, sei, "dass er weiß, dass er direkt in den Abgrund schaut und trotzdem immer weiter einen Fuß vor den anderen setzt. Es gibt Hoffnung - oder wenigstens Entschlossenheit." Durchhalten - die Devise gilt auch für Neeson. Als die Interviewrunde beendet ist, quält er sich aus seinem Sitz und folgt der PR-Dame zum nächsten unliebsamen Pressetermin. Einen Fuß vor den anderen.

 
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