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Glühdraht Nostalgie: Elektronenröhre

Sie spendeten Elektronen und nebenbei auch noch ein wenig Licht und Wärme. Die Älteren kennen sie noch aus Radios – und ein paar Enthusiasten aus Röhrenverstärkern: die Elektronenröhre, das Kind der Glühbirne.

Elektronenröhre © Hersteller/Archiv

Früher, als die Radios noch so groß waren wie 51-cm-TV-Geräte, da brauchte man zum Einschalten noch so richtig Zeit. Erst einmal drückte man den Power-Knopf, der damals natürlich nur teutonisch knapp mit "EIN" beschriftet war, und dann wartete man, bis ganz langsam ein wenig Klang aus dem Lautsprecher hinter der Textilverkleidung tröpfelte, immer lauter wurde und dann schließlich rein und klar das Wohnzimmer flutete.

Der Grund für diese Radio-Gedenkminute waren die Röhren, die vor allem für Kinder die Rückseite der Geräte so interessant machten: Konnten sie doch durch die unabdingbar notwendigen Lüftungsschlitze sehen, wie seltsame Glaszylinder mit eigentümlichen, grauen Innereien langsam anfingen, orange und blau zu leuchten.

Und das ganz besonders intensiv, wenn das betagte Radio so richtig Dampf machen musste. Dass sich im Sommer keiner in der Nähe des Kastens aufhalten wollte, verstand sich von selbst, denn das Funktionsprinzip dieser Röhren hatte zwangsläufig mit Wärme zu tun. Nicht nur Radios waren mit Röhren ausgestattet, sondern auch Tonbandgeräte und andere Geräte mit Verstärker.

Funktion: Wandernde Elektronen

Genau genommen ist die Röhre ein illegitimes Kind der Glühbirne. Denn schon vor mehr als hundert Jahren erkannte man, dass die Glühwendel der Birne nicht nur Licht, sondern auch Elektronen emittiert. Bereits 1906 war man so weit, diese Entdeckung zu nutzen. Man baute die ersten Röhren mit einer Glühwendel und einer Blechplatte, die man natürlich korrekt anders, nämlich Kathode und Anode, nennt.

Das Prinzip: Ist die Glühwendel kalt, also unbeheizt, kann man an die Röhre anschließen, was und wie man möchte – es kommt kein Stromfluss zustande, weil das Innere der Röhre evakuiert ist. Erst bei extrem hohen Spannungen würden zwischen der Kathode und der Anode Funken überschlagen.

Erst wenn die Kathode glüht, kann man Spannung anlegen. Jetzt wandern Elektronen vom heißen Draht zur Platte. Vorausgesetzt, diese hängt am Pluspol. In die Gegenrichtung fließt kein Strom. Benutzt wurden diese einfachen Diodenröhren vor allem zum Gleichrichten von Wechselströmen, da sie eine Hälfte (wenn die Polung sich umkehrte) einfach abschnitten.

Trioden, Tetroden, Pentoden und Heptoden wurden (nach griechischer Zählweise) die Röhrentypen genannt, bei denen zwischen Kathode und Anode noch mehrere Gitter eingebaut waren. Und diese Röhren waren es auch, die den Radios und Tonbandgeräten Leben einhauchten.

Röhrenverstärker: HiFi vs Gitarre

Es hat seinen Grund, warum diese Bauteile heute nahezu komplett aus der Unterhaltungselektronik verschwunden sind. Einer der Gründe ist gleichzeitig dafür verantwortlich, dass sie in der Herstellung von Gitarrenverstärkern immer noch gebräuchlich sind: Sie verzerren. Das ist bei Hi-Fi eher unerwünscht, wenngleich es auch dort immer noch Röhrenverstärker gibt, die mit hohem Aufwand dieses Problem eliminieren .

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Dass Verzerrung bei Gitarristen einen anderen Stellenwert hat, wird niemand mehr bezweifeln, der Aufnahmen von B. B. King hört. Das Singen der Gitarre ist – technisch ausgedrückt – oft nur das besonders feine Verzerren der Röhre.

Allerdings: Ohne einen guten Musiker nützt auch alles Verzerren nichts. Und auch die einstmals so gescholtenen Transistorverstärker, die mittlerweile die meisten Geräte stellen, verzerren.

Dass aber die Röhre im Hi-Fi-Bereich immer noch den besseren Klang erzeugen soll, ist eher als Mythos anzusehen, denn in der Summe ihrer Eigenschaften ist die Elektronenröhre ein oft widerspenstiges Bauteil mit vielen Nachteilen.

Dass findige Hersteller diese oft kompensieren und damit wirklich faszinierende Ergebnisse erzielen, ist eine ganz andere Geschichte.

 
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