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Am laufenden Band Nostalgie: Tonbandmaschinen der 70er- und 80er-Jahre

Sie hießen Akai oder Revox – und kein ernst zu nehmender Hi-Fi-Enthusiast konnte auf so etwas verzichten. Gemeint sind große Tonbandmaschinen der 70er- und 80er-Jahre.
tonbandmaschine © Hersteller/Archiv

Das Tonband ist sozusagen die Mutter aller Aufzeichnungsgeräte. Denn schon seit Urzeiten der Tonaufzeichnung leistete das Magnetband unschätzbare Dienste. Bevor man aber auf magnetbeschichteten Kunststoffbändern aufnehmen konnte, musste man sich mit Stahldraht begnügen. Und weil die damaligen Geräte keine Verstärker hatten (zu Beginn des Jahrhunderts), waren die Aufnahmen einfach nur schlecht. Als 1911 die ersten Verstärker entwickelt wurden, besserte sich das. Aber immer noch ließ Draht keine guten Aufzeichnungen zu.

Von der Zigarette zum Tonband

Mitte der 20er-Jahre machte Fritz Pfleumer eine bahnbrechende Entdeckung – für Raucher. Denn billige und teure Zigaretten unterschieden sich seinerzeit nicht nur durch die Qualität des gerollten Knasters, sondern auch durch die Mundstücke, die in Form einer Papphülse an der Zigarette klebten (Filter im heutigen Sinne gab es noch nicht). Waren die teuren mit echtem Blattgold versehen, so waren die billigen nur mit Bronze bestäubt.

Und das färbte ab auf Lippen und Finger. Also dachte sich Pfleumer: Wenn man das Metallpulver in transparenten Kunststoff einbettet, dann ist das Abfärben passé. So war es auch. In einem Straßencafé in Paris, so sagt die Legende, soll er auf die Idee gekommen sein, dass man auch magnetisches Metallpulver in Kunststoff einbetten könnte – das Tonband war erfunden.

AEG baute das erste Tonband

Bis 1935 dauerte es noch, bis AEG endlich ein vernünftiges und halbwegs alltagstaugliches Tonbandgerät vorstellen konnte. Möglich war dies vor allem durch die Erfindung des Ringkopfes, der nunmehr die magnetischen Partikelchen auf dem Band polarisierte. Die Drahtspulen waren über harte und spitze Köpfe gelaufen, die das weiche Bandmaterial unweigerlich zerstört hätten.

Aber es gab immer noch immense Probleme: Die Bänder rieben ihr magnetisches Material allzu freudig ab, die Tonköpfe verschlissen mitunter zügig durch Reibung, und die Bänder selbst fingen am Rand an zu rosten, was weder der Tonqualität gut tat noch das Vertrauen in die Technik förderte.

BASF verfeinerte die Technik

Und weil man bei AEG das Problem outsourcen wollte, wie man das auf Neudeutsch so schön sagt, ließ man die Badische Anilinund Soda-Fabrik (bekannter ist das Kürzel BASF) daran arbeiten. Dort kam man auf die Idee, Acetylzellulose als Trägermaterial einzusetzen und statt reinem Eisen Eisenoxid auf das Band zu lackieren. Und das funktionierte.

Zwar war die Tonqualität immer noch so, dass die Geräte bevorzugt zu Sprachaufnahmen eingesetzt wurden, aber ein Anfang war gemacht. Immer weitere Entwicklungen kamen hinzu, die Tonqualität und Gleichlauf betrafen und dafür sorgten, dass Tonbandmaschinen in Tonstudios die Master für die spätere Plattenpressung aufnahmen.

Need for Speed

Und dann standen die schweren Geräte in den 70er- und 80er-Jahren in den Wohnzimmern, bestachen durch exzellente Klangwiedergabe und waren das absolute Nonplusultra für jeden Hi-Fi-Spezialisten. Die echten Profis hatten Geräte, deren Spulen rasend schnell rotierten. Denn: Je schneller das Band an den Köpfen vorbeilief, desto höher war die Aufnahmequalität.

Standard waren 9,5 cm/s, aber gute Maschinen konnten auch mit 19 cm oder gar 38 cm aufnehmen. Und dafür entweder die halbe Breite oder – wenn es ganz besonders gut sein sollte – die ganze Breite von 6,25 mm nutzen.

Allerdings schlief die Konkurrenz nicht, denn die kleine und handliche Compact Cassette (CC) war auf dem Vormarsch. Und die klang später auch sehr überzeugend – wenn auch nie so gut wie ein gestandenes Studer ReVox. Als Nächstes kamen die digitalen Aufzeichnungsgeräte hinzu. Heute findet man selbst in Studios kaum noch Bandmaschinen.

 
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