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Ratgeber Heimnetzwerk So nutzen Sie NAS-Systeme als TV-Rekorder

NAS-Systeme können heute weit mehr als nur Daten speichern und im Netzwerk anbieten. Synology macht seine neuen Home-Server zu multifunktionalen TV-Tunern, die das gesamte Haus mit Fernsehen versorgen.

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© Hersteller/Archiv

Stellt man Fernseher, Lautsprecher, Verstärker, Player und Netzwerk-Festplatte nebeneinander, drängt sich die Geschichte vom hässlichen Entlein auf. Fernseher verzücken durch schlanke Formen und scharfe Bilder, die sie ins Wohnzimmer bringen. Lautsprecher werden oft aus edlen Hölzern gefertigt, sodass sie außer mit akustischen auch mit optischen Reizen verführen.

Nicht so charmant sind Verstärker und Player, doch auch sie werden durch feine Metallgehäuse zum Blickfang. Netzwerk-Festplatten, auch Home-Server oder NAS (Network Attached Storage) genannt, sehen dagegen oft so technisch aus, wie ihr Name vermuten lässt. Man will sie deshalb gern in Ecken verschwinden lassen.

Test: Synology DS213

Mittlerweile kämpfen viele Hersteller – allen voran Synology – gegen dieses schlechte Image an. Zwar ist die DS213 auch keine Schönheit, doch mit ihrem schwarzen Gehäuse bleibt sie nahezu unauffällig. Studiert man dagegen ihr Datenblatt, gewinnt sie sofort an Attraktivität. Dort entdeckt man Begriffe wie TV-Rekorder, Audio-Station oder Smartphone-App, die sofort die Neugier bei Heimkino- und HiFi-Fans weckt.

Im Web-Browser lassen sich über das Paket-Zentrum zusätzliche Dienste installieren. Dazu zählt auch die Video Station, die das NAS-System zum TV-Rekorder macht.
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© Hersteller/Andreas Frank
Im Web-Browser lassen sich über das Paket-Zentrum zusätzliche Dienste installieren. Dazu zählt auch die Video Station, die das NAS-System zum TV-Rekorder macht.

Kein Computer mehr nötig

Der Besitzer wird nicht enttäuscht, wenn er die DS213 in Betrieb nimmt. Wenn er am Computer den Einrichtungsassistenten startet, begrüßen ihn ansehnliche und leicht verständliche Menüs: Der Besitzer öffnet den Synology Assistant, der die Festplatte im Netzwerk aufspürt und zum Konfigurationsmenü im Web-Browser führt. Dort findet er etwa das Paket-Zentrum. Bei den Paketen handelt es sich um Apps, wie man sie von Smart TVs, Smartphones und Tablets kennt, die den Funktionsumfang der NAS-Systeme erweitern.

  • Die Medienserver-App etwa macht die DS213 zum zentralen Lieferanten von Videos, Fotos und Musik im Netzwerk für UPnP- und DLNA-Clients. Im Paket-Zentrum findet man zudem die passende App fürs Medien-Streaming mit Apple TV, iTunes und iPhone.
  • Wer mehr Komfort für sein Bildarchiv möchte, installiert die Photo Station. Über die entsprechende App DS photo+ für Smartphones und Tablets kann der Nutzer bequem auf seine Bilder zugreifen – auch von unterwegs.
  • Für Musik gibt es entsprechende Anwendungen mit der Audio Station und DS audio.
  • Die Smartphone-App DS finder durchforstet das Netzwerk nach dem NAS und öffnet eine mobile Version des Konfigurationsmenüs im Web-Browser. Für den alltäglichen Gebrauch des NAS-Systems ist also kein Computer mehr erforderlich.
  • Schließlich gibt es ein Paket namens Video Station. Es verbessert zunächst die Fähigkeiten des NAS als UPnP-Server von Video-Inhalten. Die DS213 greift etwa auf das Internet zu, um Covers und Informationen zu Filmen und TV-Serien zu laden. Installiert man die entsprechende App DS video auf seinem iPad, iPhone oder iPod, kann man über die angezeigten Cover bequem seine Filmsammlung durchforsten.

DVB-T-Tuner im Taschenformat: Der EyeTV DTT von Elgato rüstet neben der Synology DS213 auch Computer zum TV-Empfänger auf. Für rund 60 Euro erhält man außerdem eine DVB-T-Antenne sowie eine Empfangs- Software für den Computer.
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© Hersteller, Andreas Frank
DVB-T-Tuner im Taschenformat: Der EyeTV DTT von Elgato rüstet neben der Synology DS213 auch Computer zum TV-Empfänger auf. Für rund 60 Euro erhält man außerdem eine DVB-T-Antenne sowie eine Empfangs- Software für den Computer.

Fernsehen mit dem NAS auf Smartphone und Tablet

Der Nutzer kann mit der Video Station auch fernsehen. Dafür bedarf es nur eines TV-Tuner-Sticks, den man per USB mit dem NAS verbindet. Derzeit ist jedoch nur der terrestrische Empfang per DVB-T möglich. Die Installation ist simpel: Man öffnet über den Web-Browser das NAS-Konfigurationsmenü und darin die Video Station. Von dort aus startet man den Kanalsuchlauf, wie man es von Set-Top-Boxen kennt. Danach sind die TV-Sender im Netzwerk verfügbar.

Den meisten Komfort gibt es über die DS video-App auf Smartphones und Tablets mit iOS-Betriebssystem. Dort lässt sich per Fingertipp ein TV-Programm auswählen. Da die Anwendung nicht selbst den Stream abspielen kann, ist eine zusätzliche Player-App nötig.

Praxis: Apps für Streaming und Netzwerk

Wir haben den kostenlos erhältlichen OPlayerHD Lite verwendet. Wenn man in DS video auf einen Fernsehsender tippt, wird automatisch die Player-App und damit der TV-Stream gestartet.

Außerdem ist eine Programmzeitschrift integriert. Sie hilft auch beim Programmieren von Aufnahmen, die einzeln oder als Aufnahme-Serie angelegt werden können. Die aufgezeichneten Programme lassen sich im Anschluss über die App abrufen.

Wer ein Smartphone oder ein Tablet mit Android-Betriebssystem besitzt, kommt bislang nicht in den Genuss der App DS video. Dennoch kann man mit etwas Erfahrung über den Web-Browser oder eine Web-Adresse, die Synology anbietet, das Live-TV-Programm verfolgen. Es ist aber sehr viel umständlicher. Ähnlich geht man auf einem Computer vor.

Dieser Winzling bringt HDTV per Satellit auf Computer und NAS-Systeme. Für 80 Euro wird der PCTV DVB-S2-Stick (460e) außerdem mit Fernbedienung, USB-Verlängerungskabel und externem Netzteil ausgeliefert.
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© Hersteller, Andreas Frank
Dieser Winzling bringt HDTV per Satellit auf Computer und NAS-Systeme. Für 80 Euro wird der PCTV DVB-S2-Stick (460e) außerdem mit Fernbedienung, USB-Verlängerungskabel und externem Netzteil ausgeliefert.

Live-TV für den Fernseher mit DVBLink TV Server

Für den Zugriff auf das Live-TV-Programm über einen Fernseher oder Blu-ray-Player ist die Synology Video Station allerdings nicht ausgelegt. Es lassen sich jedoch die TV-Aufzeichnungen abspielen, denn die DS213 stellt sie als UPnP-Server allen kompatiblen Clients zur Verfügung: also netzwerkfähigen TVs und Playern sowie Smartphones und Tablets.

Wer über seinen Fernseher auch Live-TV streamen will, muss das Paket DVBLink TV Server for Synology NAS auf dem NAS installieren. Zum Preis von 25,21 Euro erhält der Besitzer zudem die Möglichkeit, neben DVB-T auch Satellitensignale in SD- und HD-Qualität im Netzwerk zu verteilen.

Kaufberatung: 10 Tipps zum Kauf von Netzwerk-Festplatten

Das niederländische Unternehmen DVBLogic bietet ähnliche Lösungen für Computer bereits seit mehreren Jahren an. Doch die Netzwerk-Festplatten von Synology sind die ersten ihrer Art, die von DVBLogic unterstützt werden. Laien in Sachen Netzwerktechnik sollten von der Lösung jedoch eher die Finger lassen oder jemanden kennen, der bei der Installation hilft. Es lohnt sich allerdings, etwas mehr Zeit in diese Lösung zu investieren. Bis zu vier Tuner lassen sich mit dem DVBLogic-Paket betreiben, während die Synology-Lösung nur für einen Empfänger geeignet ist.

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Auch beim DVBLink TV Server beginnt die Installation im Web-Konfigurationsmenü des Synology-NAS. Sie führt jedoch anschließend zu den etwas unübersichtlichen Installationsmenüs von DVBLogic. Hier konfiguriert man nicht nur den TV-Empfänger, sondern kann auch zusätzliche, kostenpflichtige elektronische Programmführer (EPGs) buchen. Am Ende der Installation werden dem Nutzer die verfügbaren TV-Sender präsentiert. Nach einer Weile sind die EPG-Daten ergänzt, und es lassen sich von hier aus Fernseh-Aufnahmen programmieren.

Schaltet man jetzt seinen netzwerkfähigen Fernseher oder Player ein, erscheint unter den verfügbaren Netzwerk-Speichern auch der DVB Link DLNA TV Server. Nach dessen Auswahl werden im Ordner TV Channels die verfügbaren TV-Sender präsentiert: jeder Kanal als einzelne Datei.

Die Live-TV-Streams werden auf Netzwerk-Playern wie gewöhnliche Dateien angezeigt. Im Test nutzten wir etwa den Blu-ray-Player Panasonic DMP-BDT220.
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© Hersteller, Andreas Frank
Die Live-TV-Streams werden auf Netzwerk-Playern wie gewöhnliche Dateien angezeigt. Im Test nutzten wir etwa den Blu-ray-Player Panasonic DMP-BDT220.

Nicht jeder Blu-ray-Player funktioniert

Voraussetzung für die Wiedergabe: Der Fernseher oder Player unterstützt das Dateiformat. In unseren Tests funktionierten die Blu-ray-Player Panasonic DMP-BDT220 und Samsung BD-E6100, nicht aber der LG BP620. Außer auf Live-TV lässt sich mit diesen UPnP-Clients auch auf TV-Aufzeichnungen zugreifen.

Das Live-TV-Angebot und die Aufnahmen kann man ebenfalls über Smartphones oder Tablets nutzen, wenn man einen UPnP-Player installiert. Wir haben etwa die kostenlose App UPnPlay (nicht für iOS) benutzt.

Praxis: Tipps für das vernetzte Heim

Für das Programmieren von Aufnahmen existieren auch Apps für Apple-, Android- und Windows-Phone-Geräte. Diese lassen sich – wenn man sich ein wenig im Bereich Netzwerktechnik auskennt – auch außerhalb der eigenen Wohnung einsetzen.

Trotz all dieser Freiheiten gibt es auch Einschränkungen: Es können derzeit keine Pay-TV-Sender per CI-Modul entschlüsselt werden. Der Nutzer muss sich auf eine Empfangsart festlegen. Außerdem kann bei einem installierten Tuner nur ein Client auf die TV-Streams zugreifen.

Fazit

Der TV-Empfänger muss heute nicht mehr neben dem Fernseher stehen, sondern kann sich überall im Heimnetz befinden. Das macht nicht nur lange Satelliten-Kabel überflüssig, sondern bringt auch Live-TV in die gesamte Wohnung.

 
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