Interview Stefanie Hertel: "Ab jetzt bin ich der Chef"
© RTL / Stefan Gregorowius
teleschau: Stefanie Hertel tritt bei "Let's Dance" an - das kommt überraschend!
Stefanie Hertel: Für mich nicht. Ich finde das Format toll, es ist ehrlich und bringt unheimlich viel Emotion rüber. Außerdem tanze ich schon immer gerne. Jetzt habe ich endlich die Gelegenheit, es von der Pike auf zu lernen. Das Training ist zwar knochenhart, aber genau das habe ich gewollt. Ich möchte mich nach dem verrückten letzten Jahr einfach mal richtig auspowern.
teleschau: Keine Angst, so viel Persönliches vor der Kamera zu zeigen?
Hertel: Schon richtig, Tanzen ist für mich wirklich etwas sehr Persönliches. Man passt sich seinem Tanzpartner ja sehr an, man muss sogar richtig flirten - im superknappen Kleid, mit einem Mann, mit dem man überhaupt nichts hat.
teleschau: Macht Sie der Gedanke nervös, dass Ihnen fünf, sechs Millionen Menschen dabei zu sehen, wie Sie da mit Ihrem Tanzpartner Sergey Pluyta flirten?
Hertel: Absolut. Eigentlich kenne ich Lampenfieber gar nicht, nicht beim Singen. Aber sobald ich mal etwas anderes auf der Bühne machen soll, rutscht mir das Herz in die Hose. Oh je, das wird schlimm (lacht)!
teleschau: Fürchten Sie sich auch vor den Sprüchen eines Joachim Llambi?
Hertel: Ach wo. Ich lasse mich von Herrn Llambi bestimmt nicht fertigmachen! Beleidigen kann mich eh niemand so schnell, und vor Kritik habe ich auch keine Angst - wahrscheinlich habe ich einfach schon zu viel davon abgekriegt, als Volksmusiktante, die ich für die meisten Leute einfach bin (lacht).
teleschau: Das mit der "Volksmusiktante" haben Sie gesagt - wir dachten Ihr Image ist eher das nette Mädchen von nebenan?
Hertel: Ja, stimmt schon, so wird das meistens geschrieben. Aber nett ... - das ist doch in Wahrheit wischiwaschi. Langweilig. Und das will ich nicht sein!
teleschau: Wie würden Sie sich selbst beschreiben?
Hertel: Als eine moderne junge Frau - lieb, herzlich und warmherzig. Ich stehe auf die Guten, nicht auf das Böse. Aber ich habe auch meine Ecken und Kanten. Wenn mir einer blöd kommt, dann komme ich auch schon mal blöd zurück. (lacht).
teleschau: Ist die Sendung also eine Chance, etwas gegen das Klischee zu tun?
Hertel: Auf jeden Fall sehen mich jetzt eine Menge Leute, die noch nie etwas mit Volksmusik am Hut hatten - das ist schon mal großartig. Wenn jetzt noch der eine oder andere, der mein Gesicht nur von den Titelblättern am Kiosk kennt, auch mitkriegt, dass hinter dem Bild ein ganz normaler Mensch steckt, über den man nicht zwingend die Nase rümpfen muss, wäre das natürlich schön.
teleschau: Da klingt auch Bitterkeit mit durch ...
Hertel: Natürlich wünsche ich mir manchmal etwas mehr Respekt - auch vor der Musik. Ich sage nicht, dass jeder meine Musik lieben muss, aber man sollte sich auch nicht über die Volksmusik und ihre Anhänger lustig machen. Für mich hat Musik keine Grenzen: Je nach Stimmung höre ich mir auch einmal Heavy Metal an - und andere Leute eben volkstümliche Schlager für eine zünftige Party. Alles, was mit Herzblut gemacht ist, hat doch seine Berechtigung.
teleschau: Stefanie Hertel hört Heavy Metal?
Hertel: Na klar. Nicht zu Hause. Aber in der Disko muss das schon mal sein. Warum auch nicht? Dieses Schubladendenken gibt es in der Form vermutlich nur in Deutschland - besonders in den Medien. Ich meine, in Amerika gibt es die Country Music, die ist dort sehr populär und niemand lacht darüber. Aber ich habe mein Publikum und will mich nicht beklagen. Ich bleibe der volkstümlichen Musik treu, entwickle mich aber in musikalischer Hinsicht weiter. Überhaupt freue ich mich darauf, demnächst als Sängerin ein paar neue Facetten zu zeigen.
teleschau: Sie sind in Aufbruchstimmung?
Hertel. Und ob! Mein Leben hat sich im letzten Jahr von A bis Z geändert: Ich habe mich von meinem Management und von der Plattenfirma getrennt, baue mir gerade ein völlig neues Umfeld auf - und zwar so, dass ich diejenige bin, die entscheidet. Wow - wie cool das klingt: Ich bin der Chef! (lacht) Aber ich allein trage jetzt auch die Konsequenzen meiner Entscheidungen.
teleschau: Ist das eine Frage von Reife?
Hertel: Ich bin jetzt 32, und sicherlich war ich vor zehn Jahren noch sehr dankbar, dass mir manche Entscheidung abgenommen wurde. Es war schon alles richtig und gut so, Hans Beierlein (der große Münchner Produzent, d. Red.) wird immer ein väterlicher Freund für mich bleiben - nur jetzt musste einfach etwas passieren, also trennten wir uns. Denn ich wollte die Dinge selbst in die Hand nehmen. Auch weil ich mich als Künstlerin in einer Sackgasse sah - jetzt schreibe ich an meinen Liedern mit, darf kreativ sein. Das ist handgemachte Musik, mit echten Instrumenten, das passt nicht mehr ohne Weiteres in Schubladen. Und, auch wenn ich nicht genau weiß, wo mich das hinführen wird, es fühlt sich toll an.
teleschau: Wovon handeln diese neuen Lieder?
Hertel: Von der Liebe. Und von der Natur - ich liebe die Berge und Wälder, gehe raus, so oft es nur geht.
teleschau: Also drehen sich die Texte um die Heile Welt?
Hertel: Ach Gott. Was heißt schon "Heile Welt"? - Natürlich gibt es auch melancholische Momente in meinen Stücken, und auch ich singe mal über Tod und Verlust. Aber ich habe einen Auftrag, nämlich mein Publikum zu unterhalten, da werde ich jetzt nicht anfangen, von irgendwelchen Katastrophen und Krisen zu singen, auch wenn das mich persönlich alles natürlich auch sehr beschäftigt. Ich engagiere mich für den Tier- und Naturschutz, bin seit 15 Jahren Vegetarierin, aber das muss ich ja nicht in die Welt posaunen und in meine Lieder einbauen.
teleschau: Sie kehren der Volksmusik also nicht den Rücken?
Hertel: Nein, nein. Ich trage sehr gerne mein Dirndl (lacht), auch um den "Musikantenstadl" mache ich keinen Bogen. Am 24. März stelle ich meine neue Single "Ein Meer aus Liebe" in der Sendung "Willkommen bei Carmen Nebel" im ZDF vor. Das passt schon noch alles zusammen. Ich würde mir nur wünschen, dass man mich künftig als vielseitiger und kreativer wahrnimmt als bisher - mehr nicht. Ich bin kein Freund von radikalen Brüchen.
teleschau: Aber privat war der Bruch schon radikal!
Hertel: Ja und nein. Jedenfalls kann ich allen Menschen, von denen ich mich im vergangenen Jahr getrennt habe, noch in die Augen schauen.
teleschau: Was heißt das konkret?
Hertel: Stefan und ich führen keinen Rosenkrieg, wir sind beide glücklich und bleiben uns freundschaftlich verbunden. Wir sind wirklich heilfroh, dass es so ist.
teleschau: Als im vergangenen Jahr erstmals Gerüchte über eine Trennung aufkamen, brach einiges über Sie herein. Wie haben Sie das ausgehalten?
Hertel: Wir haben zusammengehalten und uns von der Presse auch nicht aufeinanderhetzen lassen, gaben keine Interviews. Da war also sehr vieles frei erfunden und reine Spekulation - das tut schon weh und war sehr ärgerlich, zumal die ja gar nicht wissen, wie es wirklich aussieht.
teleschau: Wie sieht es denn jetzt in Ihnen aus?
Hertel: Ich bin glücklich und schaue zuversichtlich nach vorne. Aber über meine neue Beziehung möchte ich mich nicht äußern - auch weil ich mein Privatleben wirklich privat halten möchte.
teleschau: Und worauf blicken Sie zurück?
Hertel: Auf eine tolle Zeit mit Höhen und Tiefen. Nach 17 gemeinsamen Jahren kann man ja nun wirklich nicht von Scheitern reden. Ich bin dankbar für diese Jahre, und dem Stefan geht es ganz genauso.
teleschau: Warum ging es nicht mehr weiter?
Hertel: Die Antwort geht nur Stefan und mich etwas an.
teleschau: Hat auch dieses permanente Leben in der Öffentlichkeit eine Mitschuld?
Hertel: Sicherlich. Wir haben früher einfach zu viel preisgegeben. Natürlich profitierten wir in gewisser Weise auch davon, und ich könnte mich jetzt wieder hinstellen und etwas über eine neue Liebe ausplaudern - wahrscheinlich würde es meiner Popularität sogar gut tun. Aber ich habe einfach gelernt und meine Konsequenzen gezogen und wirklich keine Lust mehr auf diese Form von Öffentlichkeit.
teleschau: Werden Sie Ihren Lebensmittelpunkt von der schönen Gegend am Chiemsee wegverlegen?
Hertel: Nein, ich lebe seit 15 Jahren da und fühle mich wirklich zu Hause, ich habe tolle Nachbarn und gute Freunde.
teleschau: Also gibt es dort kein Gerede über Sie?
Hertel: Ach, bestimmt gibt es das. Aber eben auch nicht mehr als bei einem anderen Paar, das sich getrennt hat. Die Menschen bei uns daheim sind wirklich sehr entspannt. Und: Die Leute mögen reden, aber sie verurteilen nicht, und irgendwann ist das Thema auch durch. Das Leben geht weiter.
teleschau: Sie standen nach Bekanntgabe der Trennung noch eine ganze Weile mit Stefan auf der Bühne.
Hertel: Ja, und es hat uns weiterhin Spaß gemacht. Wir schließen auch nicht aus, dass wir in Zukunft hier und da mal zusammen auftreten.
teleschau: Wollen Sie auch wieder als TV-Moderatorin auftreten? Im vergangenen Jahr hatten Sie mit der Sendung "Stars hautnah" im RBB-Fernsehen Premiere ...
Hertel: Ja, auf jeden Fall. Die nächste Folge wird jetzt produziert und im November ausgestrahlt. Auch eine Rolle beim Film würde mich mal reizen, ich bin ja noch jung und halte derzeit nichts für ausgeschlossen (lacht).
teleschau: Von der Sängerin zur Entertainerin ist es ja nicht mehr weit. Haben Sie die "Helene Fischer"-Show an Weihnachten gesehen?
Hertel: Nur Ausschnitte. Es muss grandios gewesen sein. Nebenbei: Ein schöner Beweis dafür, was heute in der deutschsprachigen Musik wieder alles geht.
teleschau: Und wie wird es mit der volkstümlichen Musik weitergehen?
Hertel: Auch wenn das manche anders sehen: Sie wird immer weiter leben. Aber sie wird sich ein Stückchen wandeln müssen. Wichtig ist, dass Qualität geboten wird, kein künstlicher Synthie-Einheitsbrei, echte, wieder traditionellere Klänge. Die richtigen Tendenzen gibt es - ein Andreas Gabalier zeigt ja, dass die Lederhose cool ist, dass Volksmusik auch etwas für die Jungen sein kann. Außerdem: Das Landleben ist ein wunderbares Lebensgefühl und gerade ziemlich sexy, da muss man sich nur die Verkaufszahlen der entsprechenden Zeitschriften anschauen. Ich bin guter Dinge - in jeder Hinsicht (lacht)!