In Deutschland ist aktive Sterbehilfe verboten. In den Niederlanden, Belgien, Luxemburg und der Schweiz ist es unter bestimmten Voraussetzungen erlaubt, Menschen auf deren ausdrücklichen Wunsch hin einen tödlichen Medikamentencocktail zu verabreichen. Genau das tut Dr. Krueger (Aurélien Recoing) in der belgisch-französischen Produktion "Kill Me Please" in seiner Klinik. Offiziell als schwarzhumorige Komödie deklariert, gelingt es dem Film nicht, ein hintersinniges Lächeln um die Mundwinkel spielen zu lassen. Vielmehr lässt er sein Publikum ein wenig verwundert und verständnislos zurück.
Wer nur vortäuscht, erhält keinen Schierlingsbecher: Monsieur Demanet (Benoît Poelvoorde) kam aus Liebeskummer zum Sterben in die Klink - nicht, weil er unheilbar krank ist.
Jack (Saul Rubinek, links) und André (Bouli Lanners) können nicht fassen, dass die Finanzbeamtin Evrard (Virginie Efira) einfach per Kopfschuss hingerichtet wurde.
Auch im Angesicht des geplanten Todes noch ganz Diva: Madame Zaza (Zazie de Paris) verlor durch Lungenkrebs ihre Stimme und sieht keinen Sinn mehr in ihrem Leben.
Das Pflegepersonal (von links: Nicolas Buysse, Ingrid Heiderscheidt, Muriel Bersy und Jérôme Colin) ist mit den Patienten gelegentlich überfordert.
Während die Verwunderung aus dem vollkommen absurden Showdown resultiert, stellt sich die Verständnislosigkeit bereits relativ zu Anfang ein: Weder die Motive der Handelnden noch deren persönlicher Hintergrund werden so weit ausgeleuchtet, dass sich ein Bezug zu den Figuren herstellen lässt. Das scheint allerdings auch nicht die Absicht von Regisseur Olias Barco gewesen zu sein. In minimalistischen, beinahe sterilen Schwarz-Weiß-Bildern inszeniert er seine Geschichte und schafft so von Anfang an eine unüberbrückbare Distanz zwischen Beobachtern und Studienobjekten.
Mit einer gewissen Neugier observiert man, wie einige schwer Kranke, sehr ich-bezogene Menschen, stilvoll aus dem Leben zu scheiden versuchen. In der Klinik von Dr. Krueger soll ihnen das ermöglicht werden - inklusive letztem Wunsch, und möge der auch noch so merkwürdig sein. Doch dann bringt ein Brand die wohlgeordnete Routine durcheinander.
Die Einzelgänger beginnen entweder vorsichtig, sich mit ihren Mitpatienten auseinanderzusetzen, oder eskalieren völlig in ihrer generellen Unzufriedenheit und ihrem Egoismus. Als schließlich auch noch ein wütender Mob aus dem nahegelegenen Dorf, das die Klinik und ihre Intention unverhohlen ablehnt, Jagd auf die Sterbewilligen macht, ist das Chaos komplett.
Was eine ironische, vielleicht sarkastische Komödie über das selbst bestimmte Sterben hätte werden können, scheitert an einem Drehbuch, das keinen roten Faden bietet. Aus dem beabsichtigten schwarzen Humor wird oft übergangslos schiere Brutalität, die nicht nachvollziehbar ist. Heiteres, friedliches Dahinscheiden sieht definitiv anders aus.